Unter dem Progressiven Judentum versteht man all diejenigen Strömungen des
Judentums, die die Offenbarung der schriftlichen und mündlichen Lehre (
Tora,
Mischna und
Talmud) nicht als „am
Sinai wörtlich diktiert“ verstehen, sondern als einen über einen längeren Zeitraum andauernden Prozess. Im Gegensatz zum
orthodoxen Judentum wird die Lehre quasi als „Aufzeichnung der Begegnungen des
Volkes Israel mit Gott“ oder als „Protokoll des Kennenlernens“ verstanden, die religiösen Schriften sind historisch-kritischer Forschung daher nicht entzogen. In diesem Sinne bedeutet „progressiv“ also „fortschreitend“ (und nicht „fortschrittlich“), da die
Offenbarung Gottes als ein fortschreitender Prozess verstanden wird, an dem jede Generation ihren Anteil hat.
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