Ungarische Vor- und Frühgeschichte (ca. 2000 v. Chr. bis 800 n. Chr.) Auflösung der finnougrischen Gemeinschaft Der ugrische Zweig der
finnougrischen Sprachfamilie setzte sich einst aus den beiden obugrischen Völkern
Chanten (Ostjaken) und
Mansen (Wogulen) sowie den Vorfahren der heutigen Magyaren zusammen. Nach der Auflösung der finnougrischen Gemeinschaft zog der ugrische Zweig aus seinem westsibirischen Siedlungsgebiet in süd-/südöstliche Richtung. Dort bildete er von 1900/1800 bis 800 v. Chr. die
Andronovo-Kultur, wobei es auch zu intensiven Kontakten mit den hier ansässigen Uriranern kam. Aufgrund einer Klimaerwärmung und den daraus folgenden Veränderungen in der Vegetation mussten sich die Ugrier den neuen Gegebenheiten anpassen, so erweiterten sie unter dem Einfluss der Uriraner ihre Fähigkeiten in Ackerbau und Viehzucht. Eine besondere Rolle in der Viehzucht nahm die Pferdezucht ein. Dies lässt sich heute anhand archäologischer Funde nachweisen. Die Ugrier übernahmen von den Uriranern auch die festen Siedlungsplätze, wo sie sich von nun an aufhielten. Ebenfalls sammelten sie erste Erfahrungen in der Metallverarbeitung. Um 1000 v. Chr., etwa am Ende der Bronzezeit, kam es erneut zu einer Klimaerwärmung, durch die sich die Vegetationszonen noch weiter Richtung Norden ausdehnten. Dieser Klimawandel führte dazu, dass sich die Siedlungsräume der Ugrier langsam von Waldsteppen in Richtung
Trockensteppen wandelten. In dieser Situation spalteten sich die Ugrier zum einen in die Vorfahren der heutigen Obugrier und zum anderen in die Vorfahren der heutigen Magyaren. Die Obugrier zogen nach Norden in die Region des unteren Ob und wichen so der zunehmenden Versteppung aus. Die Vorfahren der heutigen Magyaren blieben in ihrem Siedlungsgebiet, änderten allerdings ihre Lebensweise und wurden zu einem
Nomadenvolk. Etwa 500 v. Chr. kamen die Magyaren in Kontakt mit den iranischen Völkern (
Skythen und
Sarmaten), nachdem sie durch eine Klimaabkühlung gezwungen wurden, in die Richtung des südlichen Ural zu wandern. Zu belegen ist dies durch vielseitige archäologische Funde, die eine Ähnlichkeit der Kulturen zu dieser Zeit beweist. Ferner wurden auch einige
Lehnwörter wie tej („Milch“, fizet („zahlen“) und tíz („zehn“) aus dem Iranischen übernommen.
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