Ein Aphorismus ist ein
philosophischer Gedankensplitter, der üblicherweise als kurzer,
rhetorisch reizvoller Sinnspruch (
Sentenz, Aperçu,
Bonmot) formuliert und als Einzeltext konzipiert wurde. Sogenannte
geflügelte Worte und
pointierte Zitate gelten aus
literaturwissenschaftlicher Sicht nicht als Aphorismus. Erst seit dem frühen 20. Jahrhundert als eigenständige
Prosagattung anerkannt und erforscht, sind Aphorismen nach wie vor eine widersprüchliche Textform:In der Tendenz eher nichtfiktional, sind sie weder der
Literatur noch der
Philosophie eindeutig zuzuordnen.Die Tragweite ihrer Aussage kontrastiert mit ihrer
Lakonik. Oft bestehen sie aus nur einem – mitunter
elliptischen – Satz, können aber durchaus mehrere Sätze umfassen. Eine klar definierte „Obergrenze“ wird von Literaturwissenschaftlern mehrheitlich abgelehnt. Der Übergang zum „großen Bruder des Aphorismus“, dem
Essay, ist fließend.Typischerweise formulieren Aphorismen einen geistreichen, betont
subjektiven Gedanken. Beispielsweise enthalten sie ein originelles Werturteil, eine persönliche
Erkenntnis oder
Lebensweisheit, erheben aber schon durch ihre bevorzugten
Sujets (
Moral,
Philosophie,
Psychologie,
Ästhetik,
Politik,
Sprache u. a.) den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.Durch ihre Kürze wirken sie auf manche Leser
apodiktisch. Demgegenüber steht die häufig (selbst)ironische und
paradoxe Form der aphoristischen Aussage. Nicht selten sind Aphorismen, die dem spontanen Widerspruch ihrer
Rezipienten bereits zuvorkommen, indem sie ihn zum Thema machen (
Selbstreferenz).
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